fotocredits: Carina Antl

„Sie hieß Cordula Grün, ich hab‘ sie tanzen geseh’n. Dann hab‘ ich sie noch gefragt, ob sie morgen mit mir einen Tee trinken mag – oder ein Fruchtkonzentrat …“ (Lyrics von Josh. „Cordula Grün“)

Josh über Cordula Grün

Ich liebe das, was gerade passiert und es ist wunderschön, dass der Song so gut funktioniert. Man muss aber auch ein bisschen differenzieren. Diese Puppe und der rote Anzug aus dem Video sind Filmrequisiten. Als Künstler bin ich aber viel mehr als das. Wenn ich die ganze Zeit Cordula herumschleppe, frage ich mich, inwiefern die Leute erfahren können, wie ich als Künstler tatsächlich drauf bin. Deshalb will ich das nicht zu oft machen.

Man nimmt natürlich schon ein paar Sachen wahr, wie zum Beispiel, dass man nach den Konzerten mehr Fotos macht. Aber es hält sich in Grenzen. Ich muss sagen, dass fast jeder Mensch mir gegenüber höflich und respektvoll ist. Vielleicht, weil ich das umgekehrt auch mache. Es läuft grad ziemlich harmonisch ab.

Josh‘ Werdegang

Angefangen hat es damit, dass ich in der Musikschule klassische Gitarre gespielt habe, bis ich 18 oder 19 war. Die erste CD, die ich gemacht habe, habe ich mit einem Gitarrenquintett aufgenommen. Wir haben Bach und Beethoven gespielt. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass mir das ein zu enges Korsett ist und habe begonnen, an einer privaten Schule, dem Vienna Konservatorium, Jazz zu studieren. Ich glaube, ein anderes hätte mich nicht genommen, weil ich keinen Jazz spielen konnte. Ich habe mich auch mit Bach beworben. Die haben dann gesagt: „Hey, du bist ein guter Gitarrist. Da kann man was draus machen.“

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich weder im Jazz noch in der Klassik ganz glücklich bin. Ich habe zuhause auch lieber Element of Crime oder Brian Adams gehört. Irgendwann wurde am Kons dann eine Popularmusik-Abteilung gegründet. Dort habe ich endlich wieder angefangen, mich in der Musik wohlzufühlen. Ich kann sagen, das sich davor eine Krise hatte und nicht wusste, wie ich weitermachen soll. Dann hat es plötzlich gezündet.

Entscheidend war, dass mir am ‚Kons‘ jemand von einer Singer-Songwriter-Night erzählt hat, bei der Studenten eigene Songs präsentieren. Ich hatte gerade angefangen, Songs zu schreiben und dachte mir: Du bist nicht mehr der Jüngste und solltest musikalisch schon einen Schritt weiter sein. Aber scheiß drauf! Du nimmst deinen ganzen Mut zusammen und spielst dort eine Eigenkomposition. Ich hatte damals 250 Auftritte in den Fingern, war aber furchtbar nervös.

Der Singer Songwriter Wettbewerb

In dem Lokal war es damals irrsinnig laut. Ich habe eine Ballade gesungen und als ich bei der letzten Strophe war, war es mucksmäuschenstill. Leute haben zu mir gesagt: „Bist du wahnsinnig? Was hast du gemacht?“ Man hat die Leute atmen gehört. Das war irgendwie der Startschuss für alles. Wenn keine Reaktion gekommen wäre, wäre ich nie so motiviert gewesen.

Ich singe und schreibe Songs. Aber ich verbinde mit dem Begriff eigentlich ein anderes Genre, nämlich den „Mann mit der Gitarre“. Und das ist nicht das, was ich jetzt mache. Es geht darum, worauf ich gerade Lust habe. Und derzeit habe ich wahnsinnige Lust, mich und meine Hände auf der Bühne zu bewegen und nicht, Akustikgitarre zu spielen. Ich glaube, das hat etwas mit Selbstvertrauen zu tun. Bei mir war bis vor kurzem immer ein bisschen die Handbremse drin. Wenn du eigene Sachen machst, ziehst du dich in gewisser Weise ja nackert aus, weil du Sachen aus deinem Leben schreibst. Mittlerweile denke ich mir: Hasst’s mich oder liebt’s mich. Aber ich hau’ jetzt einfach voll drauf!

Ich habe schon beim Song „Sowieso“ begonnen, zu machen, was ich will. Wenn du dir einen roten Anzug – wie im Video von Cordula Grün – anziehst und in einem Video so tanzt wie ich es mache, kannst du nicht mehr die Handbremse drin haben. Du musst dir sagen: Okay, ich weiß, dass es auch Leute geben wird, die das Scheiße finden. Wenn du Angst davor hast, darfst du so etwas nicht machen. Früher hätte ich mich das nicht getraut. Aber das ist ja auch okay.

Und dann kam Cordula Grün

Natürlich kann man nicht von einem einzigen österreichischen Hit leben. That’s not gonna happen! Aber ich möchte jetzt auf Tour zeigen, dass wir ein ernst zu nehmender Liveact sind. Bilderbuch ist in den Verkaufscharts auch nicht immer ganz oben. Aber die Band verkauft drei Mal hintereinander die Arena aus. 2019 werden wir auf Deutschland-Tour zeigen, dass es ein paar Euro wert ist, sich uns anzuschauen.

Vida

Johannes Sumpich, 32, wurde in Wien geboren. Im Alter von acht Jahren begann er, klassische Gitarre zu spielen und trat als Teenager in Schulbands auf. In dieser Zeit kam er auch zu seinem Spitznamen Josh, der heute sein Künstlername ist. Nach der Schule studierte Sumpich fünf Jahre lang Jazz, fand sein wahres Glück aber erst in der Popmusik. Das Studium finanzierte er durch einen Halbtagsjob als IT-Techniker, abends trat er als Musiker auf. Dabei lernte er die Sängerin Kathi Kallauch kennen, mit der er 2016 den von ihm geschriebenen Radio-Wien-Sommerhit „Kein Sommer für einen allein“ performte. Zwei Jahre später gelang Josh solo wieder ein Sommerhit. Er stürmte mit „Cordula Grün“ die Charts in Österreich und Deutschland – sein Durchbruch.